Wir bestimmen selber, wo wir wohnen und oft genug auch worin. Warum aber erlebe ich dann so viele Menschen in einem Mosaik von Stilen, die allenfalls oberflächlich durch Kriterien wie Farbe oder Haltbarkeit zusammengehalten werden? Ein möglicher Grund für diesen so häufig anzufindenden mosaikhaften Eindruck ist, dass unsere Möglichkeiten Neuanschaffungen zu erwerben – im Normalfall – nur langsam wachsen und sich der Bedarf bis dahin hauptsächlich an der Funktionalität orientiert. Solche Stücke wiederum stehen immer im Zeichen der jeweiligen Mode.
Das ist zwar pragmatisch, jedoch könnte man dagegen einwenden, dass auch früh angeschaffte Teile der Einrichtung auf einen später umzusetzenden Stil hin gekauft werden können. Der Grad der Abhängigkeit von Art und Anordnung dieser Teile, kann mit der Zeit ergänzt, ersetzt oder erweitert werden. Einige Stücke, die wir aus unserer ersten Wohnung behalten haben, wirkten lange weder neutral noch deplaziert.
Wenn wir uns während einer Geschäftsreise wieder einmal in einem Hotel Berlin Kudamm einquartieren, kommen wir nicht umhin auch Freunde in der Stadt zu besuchen. Dabei entdecken wir vielleicht, auf dem Weg ins urban weiß gehaltene Wohnzimmer, dass die aus Jungendtagen her bekannte Anrichte aus Glas und poliertem Stahl noch immer ihren Dienst tut. Unser Geschmack, wenn er denn einer ist oder werden soll, legt sich also bereits früh fest, auch wenn er sich erst später zur Gänze durchsetzt.
Der Stil aus dem wir selber gerade gekommen sind, mag völlig anders gehalten sein. Vielleicht rustikal mit viel Echtholz, anders aufgeteilt, oder wie die Szene eines idyllischen Landhauses aus Bad Liebenstein? Auch hier stehen die Chancen nicht schlecht, einen Beistelltisch zu entdecken, den wir vor langer Zeit beim Einrichten – vielleicht fast nebenbei – mitgenommen haben. Auch geringe Mittel beschränken nicht zwingend den Ausdruck des Interieurs. Es sollte aber frühzeitig klar sein, wohin die Reise gehen soll. Bis dahin stellt auch eine Notlösung etwas dar, wenn eine Idee dahinter steht.
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