Kennen Sie den Ausdruck “Gelsenkirchener Barock”? Der Stil des Barocks kennzeichnet eine Zeit des Überschwangs und Überfluss nach dem Motto “mehr ist mehr” und wenn noch ein Schnörkel, eine Verzierung oder eine bisschen mehr Pomp ging, wurde der auch genutzt. Und Gelsenkirchen, die Kohlenpottstadt, gilt als Arbeitergegend, als Heimat des “Proletariats” und damit nicht unbedingt als die Heimat einer Bevölkerungsgruppe, die sich durch dezenten und stilsicheren Geschmack kennzeichnet. Heraus kommt eine Stilrichtung, die sich mit “überladen”, “kitschig” und “hart an der Grenze zur Geschmacklosigkeit” beschreiben lässt. Damit das Innere Ihrer Wohnung nicht dem Gelsenkirchener Barock zugeordnet wird, sollten Sie Dekoelemente immer sparsam, stimmig und gezielt einsetzen.
Kreativ aber dezent
Dekorationselemente für die Wohnung sind auf dem Markt reichlich vorhanden. Bunte Farben, Tapeten und Bordüren, Stuckelemente zum Aufkleben und jede Menge ausgefallener Wanddekorationen wie Wandtattoos, originelle Bilderrahmen und Zierobjekte gibt es zu kaufen. Die Gestaltung ist dank moderner Materialien und pfiffiger Verarbeitungstechniken einfacher für jedermann geworden und auch wenn man über kein handwerkliches Geschick verfügt, schafft man es sie zu verarbeiten. Dennoch sollte man nicht alles an die Wände bringen, was verfügbar ist. Ein durchdachtes Dekokonzept für die Innenräume macht den Unterschied zwischen Kitsch und Kunst und der sparsame aber wohlüberlegte Einsatz der verfügbaren Materialien und Elemente den Unterschied zwischen schön und schlecht.
So geht es und so nicht
Ein Beispiel für übertriebenen Gestaltungsdrang und Zuviel des Guten wäre eine Wohnung, die über gemusterte Tapeten verfügt, auf die zusätzlich Wandtattoos in Schwarz angebracht wurden. Das alleine wäre ja, je nach Tapete, noch nicht so schlimm, kommen dann aber nun noch verschiedene Bilderrahmen, Fotocollagen und andere aufgehangene Zierden dazu, wird es schon bedenklich unruhig für die Augen. Zusätzliche Regale in verschiedenen Farb- und Stilrichtungen, die allerlei Stehrümchen eine Heimat bieten, machen das Maß dann spätestens übervoll. Besser ist eine klare unauffällige Wandfarbe, wenn die Wand zusätzlich dekoriert werden soll. Die Bilder und Bilderrahmen sollten zueinander und zur übrigen Einrichtung passen und wer zusätzliche Deko an die Wand bringen möchte, sollte nicht mehr als ein oder höchstens zwei zusätzliche Objekte wählen und auch hier auf einen stimmigen Stil achten. Allerdings soll es auch Wohn- und Dekokonzepte geben, die den Gelsenkirchener Barock gezielt kultiviert. Dann würden wohl noch zusätzlich zu der oben beschriebenen Situation noch bunte und ausgefallene Lampen, plüschige Teppiche und Spitzendeckchen auf dem Couchtisch dazukommen. Sicherlich ist das Geschmackssache, aber der aktuelle Wohntrend geht eher Richtung puristischer und dezenter Klarheit im Farb- und Dekokonzept.
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